Berlin, Sandkrugbrücke
Grenzübergang zwischen Ost- und Westberlin · Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin-Tiergarten, Deutschland
  • Geschichte
  • Ort

Verhaftung bei der Fluchthilfe

Erreichbar in: English | Deutsch

Seit dem Bau der Mauer 1961 hatte Manfred Matthies unzähligen DDR-Bürgern zur Flucht in den Westen verholfen. Er war jedoch selbst Flüchtling aus Magdeburg und durfte so bis 1971 nie selbst nach Ost-Berlin einreisen. 1971 wurden alle alten Straftaten aufgehoben, Matthies konnte nun nach Ost-Berlin fahren. Eine Fluchthilfe an der Jahreswende 1972/73 wurde ihm zum Verhängnis. Er sollte eine Frau mit ihrem Kind aus Ost-Berlin herausholen. Dazu hatte Matthies ein Auto so umgebaut, dass sie sich darin verstecken konnte. Ihr Verlobter im Westen wollte fahren. Dieser sagte jedoch einen Tag vorher ab, Matthies musste die Fahrt selbst machen. Am Grenzübergang Invalidenstraße an der Sandkrugbrücke passierte es dann: Die Prozedur der Passkontrolle verlief anders als gewöhnlich. Der Beamte ging mit Matthies Papieren weg und kam mit vier Bewaffneten zurück. Sie zwangen ihn, in eine Garage zu fahren. Er leugnete, jemanden versteckt zu haben, aber die Beamten antworteten nur: "Reden Sie nicht rum, wir wissen, dass Sie da jemanden drin haben." So musste er aufgeben, wurde verhaftet und zu 13 Jahren Haft verurteilt.

Manfred Matthies

Manfred Matthies

Manfred Matthies wurde 1941 in Magdeburg geboren. 1959 flüchtete Matthies fast 18-jährig mit seiner Mutter und seiner Schwester aus Magdeburg über Ost- nach West-Berlin. Erst später erfuhr er, dass die Mutter wegen Westkontakten bereits durch die Stasi beobachtet worden war. Von West-Berlin wurde die Familie nach Nordrhein-Westfalen geschickt, wo Matthies einige Jahre arbeitete. 1961 ging er von Westdeutschland zum Studium nach West-Berlin. Dort erlebte er auch den Mauerbau mit. Matthies und sein Bruder begannen dann mit einer studentischen Gruppe Fluchthilfe zu leisten. Sie wandten dabei das komplette Repertoire der Fluchthilfe an: Passfälschungen, Tunnelgrabungen, Flucht durch die Kanalisation, Transport in umgebauten Autos, Flucht mit dem Auto über die ungarisch-österreichische oder die jugoslawische Grenze sowie mit dem Segelboot von Polen über die Ostsee. Ende Dezember 1972 wurde Matthies bei einer Fluchthilfe verhaftet und zu 13 Jahren Haft verurteilt. Er wurde im Gefängnis Bautzen II inhaftiert, bevor er 1976 vorzeitig entlassen wurde. Matthies ging dann zurück nach West-Berlin. Der Mauerfall 1989 kam für ihn völlig überraschend. Die Nacht der Maueröffnung erlebte er am Brandenburger Tor.

Berlin, Sandkrugbrücke

Erreichbar in: English | Deutsch

Die Sandkrugbrücke überspannt im Verlauf der Invalidenstraße den Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal, der die Grenze zwischen den Berliner Bezirken Mitte und Tiergarten darstellt. Zur Zeit des Kalten Krieges verlief hier die Grenze zwischen Ost- und Westberlin. Zwischen 1961 und 1990 befand sich auf der Ostseite der Sandkrugbrücke die Grenzübergangsstelle Invalidenstraße. Diese war nur für West-Berliner oder in der DDR akkreditierte Diplomaten sowie das Wachpersonal vom Sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten passierbar.

Berlin, Sandkrugbrücke

Auf diesem Ort

Verhaftung bei der Fluchthilfe

Verhaftung bei der Fluchthilfe

Manfred Matthies
Memory of Nations Sites für Ihr Smartphone
Kostenlos herunterladen. Die App Memory of Nations Sites schöpft aus den Zeitzeugeninterviews, die im Rahmen des Memory of Nations Projektes enstanden sind.